Erstellungsdatum: 01/2000 letzte Änderung: 13/02/2004



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"Hein der Lausbub" erklärt Euch heute eine i.v. Therapie

Hallo Leute,

mein Chef hatte wie viele andere Mukoviszidose Patienten vor der Transplantation Schwierigkeiten mit Problemkeimen (Pseudomonas und Xantomonas Maltophilia usw.). Die "leben" in seiner Lunge und vermehren sich von Zeit zu Zeit so doll, dass er sie bekämpfen muss. Er machte alle 3 Monate eine i.v. Therapie. Udo ging es dann meistens ziemlich mies. Er hatte sehr viel eitriges Sputum in seiner Lunge. Fieber hatte er dann auch oft und fühlte sich schlapp und total "kaputt".

Was eine i.v. Therapie ist, werde ich Euch nun genau in Wort und Bild erklären. Bei dieser Therapie half ich meinem Chef Udo immer ganz doll. Da es ihm bei der Therapie auch oft schlechter ging, paßte ich immer auf ihn auf, denn seine Frau Annemarie ist jeden 2. Tag arbeiten. Wir machten diese i.v. Therapie schon seit vielen Jahren allein zu Hause. Manche Mukos machen die Behandlung aber auch im Krankenhaus. Für die i.v. Therapie brauchten mein Chef und ich viele viele Medikamente und Hilfsmittel. Ich habe Euch mal die ganzen Sachen aufgebaut und sie für Euch fotografiert.

Es gibt mehrere Methoden, die i.v. durchzuführen. Man kann das Medikament langsam durch einen Schlauch in die Vene (Blutbahn) eintropfen lassen, oder es in eine Spritze abfüllen und langsam über einen Butterfly in die Vene spritzen. Das muss aber wirklich langsam geschehen. Mein Chef und ich machten die letzte Methode. Vorher mußte mein Chef und ich aber erst das Medikament "FORTUM" (es gibt auch andere Medikamente) anmischen und für die Injektion fertig machen. Vorher legte er sich alles zurecht, was er dabei braucht.

Dann wurde mit einer Spritze das Lösungsmittel aus der Ampulle gezogen. Auf der Spritze steckt hierfür eine größere Nadel.

Danach stach mein Chef die Nadel der Spritze in die Gummimembrane der Infusionsflasche, und spritzte das Lösungsmittel in die Fortum-Flasche.

Das Medikament, das als Pulver in der Flasche war, wurde nun durch kräftiges schütteln angemischt. Das dauerte so 2-3 Minuten bis sich alles aufgelöst hat. Bei den ganzen Vorbereitungen war auf höchste Sauberkeit zu achten.

Nun stach mein Chef mit der Nadelspitze der Spritze wieder in die Gummimembrane der Fortumflasche um das fertige Medikament in die Spritze abzufüllen.

Udo steckte nun einen neuen Butterfly auf die Spritze. Das ist ein ca. 50 cm langer dünner Schlauch mit einer kleinen dünnen Nadel am Ende. An der Nadel sind 2 schmetterlingsartige Flügel zum Festhalten angebracht. Deshalb heißt diese Gerät auch Butterfly. Das ist englisch und heißt auf deutsch Schmetterling.

Nun mußte das wichtige Medikament aber in den Körper von Udo. Er staute mit einem Stauschlauch die Vene an seinem Arm. Nun sah man die Venen (sie treten hervor) an seinem Arm sehr gut. Udo desinfizierte nun mit einem Spray die Einstichstelle. Das ist ganz wichtig, damit es keine Entzündungen gab. Ein kleiner Pieks, und die Nadel war in der Vene. Ob die Nadel richtig saß wurde wie folgt überprüft: man zog kurz am Kolben der Spritze und schaute, ob Blut aus der Vene in den Schlauch des Butterfly´s floß. Wenn das so war, ist alles ok und der Stauschlauch wurde geöffnet, damit das Medikament in die Vene gespritzt werden konnte. Wichtig !!! Der Butterflyschlauch durfte dabei keine Luft in sich haben. Deshalb füllte man den Butterflyschlauch vorher mit dem Medikament. Wenn die Nadel sauber in der Vene lag, wurde die 10 ml Fortum ( 2 Gramm Antibiotika ) ganz ganz langsam in die Vene gespritzt. 10 Minuten brauchte mein Chef schon dazu. Wenn er zu schnell spritzte, wurde ihm auch schon mal etwas übel. Das sollte ja nicht passieren. Also paßte ich auf, dass er alles richtig machte. Nach der Medikamentengabe worden die Einstichstellen auch immer gut mit Heparinsalbe zur Venenpflege eingecremt.


Übrigens, die Spritzerei hatte mein Chef und auch seine Frau Annemarie bei Herrn Prof. Dr. Leschke an der Uni-Düsseldorf gelernt. 14 Tage waren sie jeden morgen nach Düsseldorf gefahren und Anne hatte unter Aufsicht bei Udo geübt. Sie kann das auch ganz toll. Bei der i.v. Therapie ist ein genauer Zeitplan einzuhalten. Udo spritzte die Medikamente mindestens 10 Tage, 3 mal am Tag genau alle 8 Stunden. Das waren dann pro Tag 6 Gramm Antibiotika und in 10 Tagen 60 Gramm. Das war eine ganz schöne Menge und verursacht auch Nebenwirkungen in dieser Zeit. Durchfälle und Probleme mit den Schleimhäuten waren bei Udo die Regel. Er war in dieser Zeit auch meist sehr schlapp und spuckt viel Sputum aus. Er war auch sehr müde und er schlief dann auch tagsüber sehr viel. Ich durfte dann immer bei ihm kuscheln.

Auch wenn die i.v. Therapie manchmal sehr anstrengend war, so halft sie meinem Chef doch unheimlich. Übrigens wurde Udo vor und nach jeder i.v. gründlich in der Uni-Klinik in Düsseldorf untersucht. Vor allem wurde das Sputum genau auf die Keime untersucht. Hierbei wurde geschaut, dass die Keime nicht resistent gegen ein Medikament werden. Dann hätte das Antibiotika nicht mehr geholfen. Nach der i.v. ging es meinem Chef dann immer viel besser. Die i.v. Behandlung ist aber überhaupt nicht schlimm ! Übrigens wird im Krankenhaus meist eine Nadel benutzt, wo ein dünner Plastikschlauch in der Vene bleibt. So wird nur einmal gepiekst und der Schlauch bleibt dann über Tage in der Vene. Ihn spürt man dann gar nicht, so dünn ist das Schläuchlein. Ihr braucht also gar keine Angst davor zu haben. Solltet Ihr mal eine solche Behandlung brauchen, dann wißt Ihr nun schon wie alles geht.

Einen lieben Dank an Annemarie, die all die tollen Fotos mit der Digicam gemacht hat, damit Ihr auch alles genau mit ansehen könnt.

Also das war´s erst mal hier aus dem Mukoland. Ich hoffe es hat Euch einen Einblick gegeben. Wenn´s Euch gefallen hat, dann mailt mir mal.

.......tschüüüüüüüüüssssssssss !

...ach wenn Ihr mal was erklärt haben wollt, dann fragt mich doch einfach mal. Vielleicht mache ich Euch dann die nächste Seite hier im Mukoland !